Filmkritik: Knock Knock (2015)

© Constantin Film

Filmkritik
07/02/2020

"Knock Knock": Wenn zwei Teenies zweimal klopfen

In dem Home-Invasion- und Erotik-Thriller wird Keanu Reeves von Lorenza Izzo und Ana de Armas offensiv flach gelegt.

von Erwin Schotzger

Knock. Knock. Wer klopft denn da? Es sind Lorenza Izzo und Ana de Armas. Im strömenden Regen stehen die beiden attraktiven Teenie-Gören Genesis (Izzo) und Bell (de Armas) vor der Haustür des Architekten Evan, gespielt von Keanu Reeves. Dessen Frau Karen (Ignacia Allamand) ist übers Wochenende mit den beiden Kids verreist, weil Evan arbeiten muss. Doch unverhofft kommt oft. Jetzt steht die Fleisch gewordene Verführung vor der abgelegenen Villa des seit drei Wochen auf sexuellem Entzug stehenden Ehemannes und Vaters.

Evan erweist sich jedoch als vorbildlicher Ehemann. Er lässt die vom Regen durchnässten Frauen, die zu einer Party wollen und vorgeben sich in der Adresse geirrt zu haben, herein und ruft ihnen ein Taxi. 45 Minuten dauert es bis der Wagen ankommt. In dieser Zeit flirten die Mädels immer mehr mit Evan, doch der Mann ist freundlich, aber standhaft. Er lässt sich nicht verführen. Doch als das Taxi dann endlich vor der Tür steht, gehen es Genesis und Bell offensiv an. In der Dusche geizen sie nicht mir ihren weiblichen Reizen und körperlichen Gefälligkeiten. Vornehm formuliert. Anders gesagt: Die Mädels legen den Ehemann nach allen Regeln der Kunst flach und ehe er sich versieht landet er doch noch zu dritt im Ehebett – ohne seine Ehefrau versteht sich.

Am nächsten Morgen eskaliert die Lage. Die jungen Frauen wollen nicht gehen und drohen Evan: Was wohl Frau und Kinder zu seinem Abenteuer sagen würden? Und dann erst die Polizei? Immerhin habe er Sex mit Minderjährigen gehabt. Der brave Ehemann, der sich einen krassen Ausrutscher geleistet hat, steht dem zunehmend aggressiveren Verhalten der Frauen immer hilfloser gegenüber.

Erotischer Zickzack-Kurs zwischen "Funny Games" und "Fight Club"

"Knock Knock" vom Horror-Regisseur Eli Roth ("Cabin Fever", "Hostel") ist ein ambitionierter Erotik-Thriller mit guten Ansätzen und großen Vorbildern. Die wohl eindeutigste Referenz ist das Home-Invasion-Genre und "Funny Games" (1997) von Michael Haneke. Doch um an das Vorbild wirklich heranzukommen, bleibt die Motivation und Charaktertiefe der jugendlichen Invasoren zu oberflächlich und klischeehaft. Das liegt allerdings weniger an der durchaus guten Besetzung mit Izzo und de Armas – sogar die überschaubare schauspielerische Bandbreite von Keanu Reeves passt hier – als vielmehr am unentschlossenen Drehbuch.

Roth, der auch einer der drei Drehbuchautoren ist, kann sich nicht recht entscheiden, ob es mehr "Funny Games" werden oder doch eher in Richtung "Fight Club" (1999) gehen soll. Daher schwanken Genesis und Bell zwischen schwer gestörten Psychopathinnen und anti-kapitalistischen Anarchistinnen. Bell ist mehr Ersteres, Genesis eher Letzteres. Zudem hat der Film zwischendurch auch Längen, was bei einem Thriller kein gutes Zeichen ist. Letztendlich sind die Fußstapfen einfach zu groß. Das wird am Schluss überdeutlich, wenn Roth auch noch das Finale von "Fight Club" abkupfert und dazu auch noch schamlos "Where is my mind?" von den Pixies spielt.

Trotzdem ist "Knock Knock" ein durchaus sehenswerter Erotik-Thriller der anderen Art. Denn immerhin wird mit typischen Erwartungshaltungen von erotischen Hollywood-Thrillern wie "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) gespielt. Auch wer Home-Invasion-Filme mag, wird mit "Knock Knock" gut unterhalten – wenn auch eher enervierend als verstörend und nicht auf einem so hohen Niveau wie bei "Funny Games".

"Knock Knock" ist zurzeit bei Netflix zu sehen.

 

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