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08/04/2021

Verbrechen in Serie: Die 10 besten Krimi-Serien auf Netflix

Diese Serien sind ein Tor zu unheimlichen, verstaubten Dachböden und finster-schmutzigen Kellern der menschlichen Seele.

von Manuel Simbürger

Seit Erfindung des Fernsehens gehören Krimi-Serien zu den beliebtesten TV-Formaten weltweit – und daran hat auch das Streaming-Zeitalter nichts geändert. Egal ob True Crime, klassisches Whodunit oder fesselnder Psycho-Krimi, bei dem sich ein einziger Fall über eine ganze Staffel zieht: Wir bleiben gespannt auf der Couch kleben und fiebern mit, wie ein ErmittlerInnen-Team alles versucht, um den/die TäterIn ausfindig zu machen.

Dass man dabei immer wieder auf die falsche Fährte gelockt wird, gehört dazu und katapultiert die Spannung ins Unendliche. Wenn sich dann herausstellt, wer tatsächlich das schreckliche Verbrechen begangen hat, sind wir immer wieder aufs Neue schockiert – nämlich vor allem darüber, dass es doch nicht der Gärtner war. 

Die 10 besten Krimi-Serien auf Netflix:

Die Brücke – Transit in den Tod (2011-2018)

Ein ganz besonders hell leuchtender Stern im Nordic-Noir-Genre: Die Spannungskurve steigt bis ins Unermessliche, die Stimmung ist zutiefst düster, die Morde blutig und die Figuren haben derart viel Ecken und Kanten, dass auch die ErmittlerInnen selbst zu Anti-HeldInnen werden. Viel Hoffnung findet man hier nicht – dafür aber jede Menge Morde. 

Die Kripo-Kommissarin Saga Norén lebt mit dem Asperger-Syndrom, soziale Interaktionen sind für sie ein Kraftakt – was sie aber nicht davon abhält, die Ermittlungen rund um komplexe Mordfälle zu leiten, die sich allesamt um die berühmte Öresund-Brücke zutragen, die Dänemark und Schweden miteinander verbindet. Die Fälle sind nicht unvorhersehbar, die Motive des Täters/der Täterin bleiben lange im Dunkeln, was eine nervenzerreibende Aura erzeugt.

Auch das Privatleben der Ermittlerinnen kommt nicht zu kurz, lenkt aber niemals von den spannenden Ermittlungen ab, sondern rundet das Crime-Bild meisterlich ab. Sozialkritik gibt's als gratis Beilage.

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Fargo (seit 2014)

Fans des gleichnamigen Films der Coen-Brüder aus dem Jahr 1996 sollten sich diese Anthologie-Serie nicht entgehen lassen – und LiebhaberInnen von skurrilen Verbrechen, schrulligen Charakteren und bitterbösem-intelligentem Humor ohnehin nicht: "Fargo" erhebt wie kein anderes Crime-Drama den Zufall zum Prinzip der Lust, die Verbrechen sind meist nichts mehr als eine unglückliche Verkettung von noch unglücklicheren Ereignissen.

Schon allein das hebt die Serie aus der Crime-Masse heraus, dazu kommen noch Figuren mit großem Identifikationspotenzial und ein in jeder Staffel wechselnder Cast, der sich sehen lassen kann: Bisher sorgten unter anderem Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Ewan McGregor und Kirsten Dunst für schräg-absurde und angenehm erfrischende Crime-Unterhaltung, die gleichzeitig auch als zynische Charakterstudie gute Figur macht.

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Lupin (seit 2021)

Netflix landete mit dem "Ziemlich beste Freunde"-Star Omar Sy Anfang 2021 einen Überraschungshit, der die ganze Welt erneut ins Krimi-Fieber stürzte: Angelehnt an die Abenteuer des Meisterdiebs Arsène Lupin, einer fiktiven literarischen Figur des Schriftstellers Maurice Leblanc, erzählt die Serie vom Pariser Assane Diop, der sich von Lupin inspirieren lässt, um selbst ein Meisterdieb zu werden – aber auch, um den Tod an seinem Vater zu rächen.

"Lupin" verbindet den unvergleichlichen französischen Charme und Witz mit einer spannenden und modernisierten Robin-Hood-Story, die in jede Minute so viel Suspense wie möglich packt, dabei aber niemals auf verspielte Leichtigkeit vergisst. Die zahlreichen Twists sorgen für Schnappatmung. Das Highlight der Serie ist aber Sys Spiel, das durch Charisma, Intensität und Wandlungsfähigkeit überzeugt.

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The Fall – Tod in Belfast (2013-2015)

In der außergewöhnlichen BBC-Thrillerserie “The Fall” – Tod in Belfast" ist Gillian Anderson dem perfiden Frauenmörder Jamie Dornan auf der Spur – und wird bald selbst zur Gejagten. Der Täter ist von Beginn an bekannt – nicht nur den ZuseherInnen, sondern bald auch den ErmittlerInnen. Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das zwar an Actionszenen spart, dafür aber immer mehr an der Psyche der ProtaginistInnen kratzt: Einerseits folgen wir detailgenau den Ermittlungen der örtlichen Polizei, aber auch dem Alltag des Täters (der gleichzeitig Familienvater und Therapeut ist), dem wir bei den – ebenfalls detailgenauen – Vorbereitungen seiner grausigen Taten folgen. 

"The Fall" greift interessante Gender- und psychoanalytische Fragen auf und spielt, auch dank der Perspektive des Täters, mit der menschlichen Ur-Angst, nicht hinter die Fassade unseres Gegenübers blicken zu können. Das Grauen vollzieht sich vielmehr langsam und beträchtlich, steigert sich mit jeder Episode. Anderson und Dornan sind jeweils eine Wucht!

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The Break – Jeder kann töten (seit 2016)

"True Detective" meets "Twin Peaks" meets "Broadchurch" – und das Ganze auch noch auf Belgisch! In "The Break – Jeder kann töten" geht es um den traumatisierten Kriminalkommissar Yoann Peeters, der nach dem Tod seiner Frau gemeinsam mit seiner Tochter in seine kleine Heimatstadt Heiderfeld zurückkehrt. Wie das mit Kleinstädten in Serien nun mal so ist, liegt der Teufel auch hier im Detail begraben und idyllisch ist nur die Oberfläche: Als die Leiche des Schwarzen Fußballspielers Driss Assani gefunden wird, glaubt Peeters im Gegensatz zur örtlichen Polizei nicht an Selbstmord. Verdächtig sind alle in Heiderfeld – weil: siehe Untertitel ...

"The Break" kommt überraschend düster, eckig und grenzüberschreitend daher und ist ein Sex-and-Crime-Kuriositätenkabinett, das fasziniert und abstößt zugleich. Es gibt keine Figur, die nichts zu verbergen und keinen Dachschaden hat – was die Spannungskurve immer weiter nach oben treibt. 

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Luther (2010-2019)

Eine Krimi-Serie, die ganz und gar auf ihren Ermittler zugeschnitten ist: Idris Elba als Detective Chief Inspector John Luther ist eine Naturgewalt, deren Präsenz jeden kleinsten Szenenwinkel ausfüllt und schlicht und einfach eine Offenbarung ist. Luther ist ein genialer Ermittler, der sich beim Aufklären seiner grausamen Fälle nicht immer an die Regeln hält und obendrein auch so manches Aggressionspotenzial in sich trägt. Ungustl ist er aber keiner, vielmehr eine geschundene Seele: Denn seine Frau wurde von seinem besten Freund erschossen, weshalb er davon besessen ist, böse Buben zu fangen ...

Die DrehbuchautorInnen bewiesen bei John Luther Mut zur Ambivalenz und Vielschichtigkeit, was den Ermittler zu den interessantesten Figuren des Genres macht. Sowohl sein Privat- als auch Berufsleben werden im Verlauf der Serie immer mehr von der Dunkelheit verschlungen. So etwas wie das Crime-Pendant zu Batman.

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Unbelievable (2019)

Dieses herausragende, aber an die Nieren gehende Crime-Drama basiert auf wahren Begebenheiten: Die 18-jährige Marie wird vergewaltigt. Die Reaktion ihrer Umgebung: Victim-Shaming, niemand glaubt ihr – bis auf zwei engagierte Polizistinnen (großartig: Toni Collette und Merritt Wever), die alles daran setzen, den Täter zu fassen, der sich als ein Serien-Vergewaltiger herausstellt. 

Die größten Gefühle kommen mitunter erst dann auf, wenn man betont nüchtern an die Sache herangeht: Es ist der Mut zur unaufgeregten Authentizität, der "Unbelievable" zu einem eindringlichen, schmerzhaften und bedrückenden Meisterwerk macht. Trotz aller Ruhe zeigt die Serie – auch aufgrund der Opfer-Perspektive – Zähne, nämlich im Kampf um Gleichstellung in einer nach wie vor männerdominierten Welt. 

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Bordertown (2016-2020)

Der Kriminaloberkommissar Kari Sorjonen ist einer der angesehensten Beamten der finnischen Kriminalpolizei. Als seine Frau schwer krank wird, beschließt Sorjonen jedoch, mit seiner Familie in eine idyllische Kleinstadt an der russischen Grenze zu ziehen, um fortan ein ruhigeres Leben zu führen. Doch wie friedlich kann ein Leben an der Grenze sein, wenn man ohnehin schon zwischen zwei Welten gefangen ist? Noch dazu treibt scheinbar ein Serienkiller sein Unwesen ...

Die mehrfach preisgekrönte finnische Krimi-Serie bietet Nordic-Noir-Kost vom Feinsten, hier werden gleich mehrere schmutzige Keller der menschlichen Seele geöffnet. Das Privatleben von Sorjonen sowie seine Familie nimmt einen genauso großen Raum in "Bordertown" ein wie die Ermittlungen, was den Kommissar nahbarer, aber trotzdem nicht weniger eigenwillig macht. Die Verbrechen sind gewaltsam, der Grundton dementsprechend düster – auch deshalb, weil die Morde in Zusammenhang mit der Sorjonen-Familie zu stehen scheinen. 

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Criminal (seit 2019)

"Criminal" ist ein Polizei-Drama mit einem gleichermaßen außergewöhnlichen wie faszinierenden Konzept: Die Serie spielt ausschließlich in der Enge eines Verhörraums, erinnert somit also an ein Crime-Kammerspiel. In einem erbitterten Katz-und-Maus-Spiel, das sich ganz auf das Wesentliche konzentriert, wird das geistige Kräftemessen zwischen den PolizistInnen und den jeweiligen Verdächtigen in den Mittelpunkt gestellt. Hier schlagen die emotionalen Wellen hoch, die Kamera ist an den ProtagonistInnen immer ganz nah dran – und jedes einzelne Wort wird zur tödlichen Waffe.

Wem das noch nicht Außergewöhnlich genug ist: "Criminal" ist eine Kooperation von vier verschiedenen europäischen Ländern (Deutschland, Spanien, Großbritannien und Frankreich) und gleichzeitig eine internationale Anthologie-Reihe. Das bedeutet, dass jedes Land seine eigene "Criminal"-Reihe in der jeweiligen Landessprache produzierte und entsprechend der eigenen Landesbezeichnung (zum Beispiel "Criminal: Deutschland") veröffentlichte. Im direkten Vergleich besonders interessant sind die jeweiligen nationalen Eigenheiten und Verhörmethoden.

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The Valhalla Murders (2019)

Die erste isländische Netflix-Produktion macht dem düsteren Ruf aller Nordic-Noir-Krimis alle Ehre. In Island geht zum ersten Mal ein Serienmörder um, der auf seine Opfer brutal mehrmals einsticht und deren Augen verstümmelt. Auf den grausamen Fall werden die PolizistInnen Arnar und Kata angesetzt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der Täter scheint seinen Trieb immer weniger unter Kontrolle zu haben. Und er scheint seine Opfer nicht zufällig auszuwählen. 

Je mehr die Ermittlungen voranschreiten, desto tiefere menschliche Abgründe tun sich auf, die das Publikum wie eine Ohrfeige treffen und noch lange nachhallen. "The Valhalla Murders" scheut nicht vor Grausamkeiten zurück, im Gegenteil: Die achtteilige Mini-Serie umarmt die Dunkelheit und steuert mit offen Augen auf jeden nur denkbaren Abgrund zu – und von denen gibt es in den Weiten Islands genug: Die Story basiert auf wahren Ereignissen ...

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